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eintauchen in digitale tiefen

multimediale stories auf dem dokumentarfilmfestival idfa

                                                                                                                                                                                                                                                         fotos: idfa/islami

 

 

 

 

 

 

 

 

wie werden wir uns in zehn Jahren über die ereignisse dieser welt informieren? werden wir die nachrichten noch sehen und hören oder schon riechen? schauen wir noch zusammen fern oder trägt jeder seine eigene virtual-reality-brille?


dokumentarisches labor

einen blick in die multimediale zukunft der berichterstattung zu wagen - das ist das ziel des "doclab" im flämischen kulturhaus "brakke grond". für die ausstellung innovativer experimente beim dokumentarischen erzählen hatte das dokumentarfilmfestival idfa (17.-27.11.) hier dreißig computerstationen mit anschauungsmaterial aufgebaut. für die beliebtesten virtualreality-plätze gab es lange wartelisten. auch wenn die verkabelten headsetbrillen von außen unspektakulär erscheinen: im innern eröffnen sie beeindruckende welten.



IST Opfer GLEICH OPFER?

foto: idfa/islami 2016

die vr-brille vor augen schwebe ich durch syrische leichenhallen, schwimme neben ertrunkenen körpern von flüchtlingen im mittelmeer, gleite durch die säulengänge mit den aufgebahrten toten der terroranschläge von paris und brüssel: ein schaurig-ergreifender flug "death toll experience" des virtual reality künstler ali eslami zu den fiktiven totenstätten.

 

stumm reiht der iranische künstler in dieser realistischen computer-animation die opfer unterschiedlicher kriege und katastrophen aneinander. ein toter mensch ist ein toter mensch - überall auf der welt. oder? ein subtil sarkastischer versuch, opferzahlen sinnlich erfahrbar zu machen und die frage nach ihrer vergleichbarkeit zu stellen (video hier). beeindruckend! /VR-KUNST/


duft-dating für singles

foto: kba

puh! wie der riecht... verlieben geht ja bekanntlich durch die nase: der geruch ist ein entscheidender faktor bei der unbewussten partnerwahl, wie die forschung herausgefunden hat. die biochemische duftnote des anderen muss aber nicht unbedingt gut riechen: "der individuelle pheromoncocktail wird dem anderen durch den schweiß nahegebracht", so die welt. anlass für sam levigne und tega brain (usa), eine interactive "smell-dating"-installation zu entwerfen.

 

im test: rund ein dutzend verschraubbare gläser mit je einem t-shirt, das eine person drei tage lang getragen hat. wer den schnüffeltest macht (tatsächlich eine erstaunliche olfaktorische vielfalt), kann online abstimmen und sich seinen biochemischen traum-partner bestimmen lassen. fazit: naja...

/IMMERSIVE INSTALLATION/


REGEN IM WOHNZIMMER

foto: ARTE trailer

was ist schönes wetter? für einen blinden sind blauer himmel und sonnenstrahlen nichtssagend. gewitter hört sich viel beeindruckender an! wie wäre es erst, wenn die tropfen im wohnzimmer oder in der küche regnen und töpfe, vasen, schalen zum klingen bringen würden!

 

ein gedankenexperiment, das das vr-erlebnis "notes on blindness" (video hier) visualisiert und vertont. es basiert auf dem audio-tagebuch von john hull (1935-2015), das der englische theologe 1983 auf seinem kassettenrecorder aufnimmt, als er  beginnt vollständig zu erblinden. wie in einem nachtsichtgerät leuchten die umrisse von bäumen im park, von schaukeln oder auch von spielenden kindern als weiße Flammen auf. geräusche und klänge rücken ins zentrum. faszinierend!

/INTERACTIVE NARRATIVE/



verseuchtes wasser

foto: idfa/flint

in "flint is a place" entwirft der amerikanische journalist zackary canepari in einem 6-teiligen multimediaprojekt ein schillerndes bild der bewohner von flint/michigan - die stadt, die michael more mit seinem recherchefilm über blei im wasser berühmt gemacht hat. mit fotos, videos, tagebuchaufzeichnungen, interviews, social media posts. eindringlich!

/MULTIMEDIA JOURNALISM/


robotermensch oscar

foto: kaayk

"the modular body" des niederländischen filmemachers floris kaayk ist ein online science fiction, der im gewand einer multimedia-dokumentation daherkommt. die idee: im labor ist bereits ein roboterinsekt entstanden, das mit menschlicher dna und aus einem menschlichem herz, mit lunge und gliedmaßen gebaut ist. fingierte erklärvideos, talkshow-ausschnitte und interviews drehen sich rund um das neue baukastenwesen "oscar". 

/SCIFI MULTIMEDIA JOURNALISM/