wunderliche welt im urgestein

video und objekte von Agniet snoep in der prinsengracht 510

von außen sehen steine grau und bedeutungslos aus. doch wer ein auge dafür hat, kann ins innere sehen. dort halten diese stummen zeugen wunder- same szenen aus uralter zeit bereit. das suggerieren zumindest agniet snoeps faszinie- rende video- und objekt- arbeiten. Sie gewähren uns eine art "blick durchs schlüsselloch" - auf  ein paradies, das aber so idyllisch gar nicht ist...

 

"Obsidian"/ Agniet Snoep

verlorenes paradies

der schwarze stein ist ein erinnerungsstück von einer reise in den mittleren westen usa. dort hat die künstlerin eine verlassene kohlenmine am black mesa in arizona fotografiert - und dort auch den obsidian in einem indianerreservat erstanden. die tristesse der einsamen industriebauten und verrosteten förderbänder erinnerten agniet snoep an miltons beschreibung vom verlorenen paradies

endloser naturkreislauf

die drei oberflächen des steins scheinen durchsichtig zu sein. im innern spielt sich keine geschichte ab, nur illustrative szenen, die traumartigen erinnerungsfetzen gleichen: hier schwirren insekten um einen blauen teich, dort wiegen sich äste von bäumen und büschen im wind unter dem überwucherten förderband, anderswo sprudelt ein wasserfall. zwischendrin verdunkelt sich der tag zur nacht, mal scheint die sonne oder der mond, mal tanzen staubkörner oder schneeflocken durch die szenerie. sogar ein mann, der beständig einen spaten in die erde rammt, ist zu erkennen und,  weiter entfernt, eine frau zwischen hohen gräsern. beide mühen sich offenbar endlos, doch ohne den anderen im blick zu haben. ein modernes, vereinsamtes adam und eva-paar?

wunderliche wimmelbilder

wie bei einem animierten wimmelbild entdeckt  der betrachter immer mehr details zum wundern: warum etwa bricht ein scheibenstück aus dem gläsernen himmel und plumpst ins wasser? was bedeuten die ächzende urgeräusche? sicher ist nur: das dreiteilige video beginnt immer wieder von vorn: die trügerische idylle steckt in einer endlosschleife, in einem perpetuum.

agniet snoep in der reutengalerie, prinsengracht 510

durch 15o fotos wird der stein räumlich

milton: paradise lost

für "obsidian" hat sich agniet snoep durch eine ausgabe von john miltons paradise lost und die graphischen illustrationen von gustave doré inspirieren lassen, speziell durch ein zitat von eva beim verlassen des paradies: "elsewhere, everything seems desolate and inhospitable, unknown to us and unknown with us.”


 

steinhart und doch zerbrechlich

auch die zweite videoarbeit, die agniet snoep in der reutengalerie zeigt, spielt mit dem kontrast einer fragilen welt hinter einer glasartigen oberfläche. nur wer genau hinschaut, erkennt im hellblau angeleuchteten stein eine frau unter wasser, die runde für runde in einem schwimmbad dreht. doch die schlüssellochperspektive verändert den blick:  die schwimmerin, die sich so anmutig und mühelos bewegt, erinnert plötzlich an einen goldfisch, der stumpf seine endlosen runden im wasserglas zieht. 

 

 

juni 2017//

agniet snoep/ "perpetuum I"/ reuten galerie/ prinsengracht 510, 1017kh amsterdam/ noch bis 1. juli 2017.